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Regionales Entwicklungskonzept für den Naturpark Wildeshauser Geest

7. Leitbild und Entwicklungsstrategie

7.1 Allgemeine und regionale Grundlagen der Strategieentwicklung

Eine regionale Entwicklungsstrategie muss hohen Anforderungen genügen. Sie ist weit mehr als eine schlichte Wegbeschreibung zu den aus der Stärken-Schwächen-Analyse abgeleiteten Entwicklungszielen. Über eine Operationalisierung der Einzelziele hinaus sind an eine integrierte Entwicklungsstrategie 4 zentrale Ansprüche zu formulieren:

1. Sie hat die einzelnen Zielsetzungen so miteinander zu verbinden, dass sich die daraus abgeleiteten Maßnahmen in ihren Wirkungen wechselseitig verstärken.

2. Sie muss als Konsens zwischen den beteiligten Akteuren der LAG diese zu einem gemeinsamen regionalen Handeln anregen und verpflichten.

3. Sie muss einen Entwicklungsprozess in Gang bringen, der in seinem Verlauf eine nicht-umkehrbare Eigendynamik erzeugt.

4. Sie muss im Hinblick auf die Region nach "Innen" und nach "Außen" leicht kommunizierbar sein. Insbesondere, wenn neue Methoden der Beteiligung der Bevölkerung erprobt und entwickelt werden, sollte eine Entwicklungsstrategie den Menschen der Region transparent und nachvollziehbar erscheinen.

7.2 Ein Leitbild für die Wildeshauser Geest

Auf Basis dieser Kriterien hat sich die LAG zunächst daran gemacht, ein profilgebendes Leitbild zu erarbeiten. Dabei wurde an den ureigensten Potentialen der Region angeknüpft:

Die Wildeshauser Geest ist eine eiszeitlich geprägte Landschaft. Nach dem Rückzug der Gletscher blieb eine Moränenlandschaft, die durch das Ende der Weichsel-Eiszeit vor 14.000 Jahren und der Entstehung der Urstromtäler der Hunte und ihrer Nebengewässer ihre heutige Form erhielt. Im Grunde ist die Wildeshauser Geest jedoch in ihren wesentlichen Elementen bereits am Ende der Saale-Eiszeit, also vor etwa 100.000 Jahren vorhanden gewesen.

Noch heute ist das Wirken der Eiszeit in der hügeligen Geländeform, in Sandablagerungen und -abbrüchen, Geröll, Geschiebelehm, und letztlich natürlich in den vorhandenen Bach- und Flußtälern lebendig.

Entscheidend für die weitere Entwicklung der Geest war jedoch der Mensch, obwohl er hier, wie überall, relativ spät in Erscheinung trat: Vor etwa 10.000 Jahren lebten Rentierjäger in der Geest. Sie haben u.a. am Westufer der Hunte ihre Spuren hinterlassen.

Seitdem reißt die Besiedlung kaum ab. Zumindest seit der mittleren Steinzeit kann man das Wirken des Menschen in der Wildeshauser Geest fast lückenlos bis in unsere heutige Zeit verfolgen. Und dies nicht nur durch eine Dichte an archäologischen Funden, die in Europa ihresgleichen sucht, sondern auch in den Spuren der landwirtschaftlichen und sonstigen Nutzung. Kaum eine andere Landschaft hat sich Spuren von der steinzeitlichen Agrikultur bis zur neuzeitlichen Industrialisierung in einer vergleichbaren Intensität bewahrt.

Die Beteiligung der Bevölkerung an der Erstellung dieses Konzeptes hat schließlich gezeigt, dass das natürliche Erbe und die lange Siedlungsgeschichte der Wildeshauser Geest im Bewußtsein der Menschen stark verankert sind. Daher lag es nahe, mit einer regionalen Entwicklungsstrategie an die hier aufgezeigte erdgeschichtliche und historische Kontinuität anzuknüpfen.

So wurde das Motto: 

10.000 Jahre Mensch
100.000 Jahre Natur
Spuren von Gestern
Wege von Morgen

als Entwicklungsleitbild für die Wildeshauser Geest ausgewählt. 

Zielsetzung dieses Entwicklungsleitbildes ist, eine Kontinuität herzustellen zwischen dem Wirtschaften der Vergangenheit und einer mehrdimensionalen Regionalentwicklung der Zukunft. Siedlungsweise, Ressourcenverbrauch und damit verbundene Einflüsse auf Natur und Landschaft sollen aufgearbeitet, dargestellt, erlebt und letztlich auch wirtschaftlich genutzt werden können. Ziel dieser Hinwendung zur Vergangenheit ist es, daraus zu lernen und die Zukunft im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung gestalten zu können.

Dieses Leitbild wurde in mehreren Arbeitsschritten in Einzelthemen aufgelöst (siehe Schaubild "Themenskizze").

Das Leitbild und seine Themen sind der strategische Ansatzpunkt für die zukünftige Entwicklung der Wildeshauser Geest. Seine Funktionen sind vielfältig: Es gibt der Wildeshauser Geest ein unverwechselbares Profil, führt eine Vielzahl von Akteuren, Institutionen, Bürgerinnen und Bürger über ein Thema zusammen und trägt dazu bei, dass Entwicklungsanstrengungen gezielt auf die spezifischen Bedürfnisse der Region und der dort lebenden Menschen ausgerichtet werden. 

Diese Vorgehensweise entspricht in hohem Maße den Anforderungen von Leader+ im Hinblick auf ein konzertiertes und integrierendes Gestalten der Region durch die relevanten Akteure, darunter insbesondere die Einwohnerinnen und Einwohner (siehe dazu auch 7.3).

7.3 Integrativer Strategieansatz

Die Entwicklung eines Leitbildes und insbesondere seiner thematischen Ausdifferenzierung hat es der LAG möglich gemacht, den integrativen Aspekt der Strategie und ihrer Maßnahmen hervorzuheben und in jedem einzelnen Ansatzpunkt zu realisieren. Um dies zu erläutern, ist ein kurzer Rückblick auf die formulierten Entwicklungsziele erforderlich.

Die in Abschnitt 6 formulierten Entwicklungsziele reflektieren die fünf Dimensionen des regionalen Handelns:

  • Selbstorganisation: Herstellen regionaler Handlungsfähigkeit

  • Wirtschaft: Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen

  • Natur: Entwicklung der natürlichen Lebensgrundlagen

  • Kultur: Förderung der kulturellen Integration

  • Soziales: Integration von am Arbeitsmarkt benachteiligten Personengruppen

Die thematische Ausdifferenzierung des Leitbildes bzw. Wahl der Themen wurde so vorgenommen, dass künftige Entwicklungsvorhaben, die einem Thema zugeordnet werden, dadurch quasi automatisch mindestens 2 der Entwicklungsziele gleichzeitig erfüllen. "Eindimensionale" Handlungsansätze fallen damit von vornherein aus dem Fokus der Strategieentwicklung heraus.

Die einzelnen Themen des Leitbildes wurden sodann zu fünf Maßnahmebereichen zusammengefaßt, von denen jeder mindestens 3 der oben genannten Entwicklungsziele ansteuert (vgl. 7.4). 

Auf diese Weise ist ein Strategiebündel generiert worden, das die 4 zentralen Anforderungen an eine Entwicklungsstrategie (vgl. 7.1) erfüllt und somit der LAG eine Steuerung des regionalen Entwicklungsprozesses erleichtert.

7.4 Maßnahmebereiche

Die Maßnahmebereiche bezeichnen die zentralen Handlungsfelder des REK der Leader+-Initiative Wildeshauser Geest. Alle künftigen Entwicklungsmassnahmen müssen einem dieser Handlungsfelder und den mit ihnen im Zusammenhang stehenden Themenfeldern des Leitbildes "10.000 Jahre Mensch, 100.000 Jahre Natur - Spuren von gestern, Wege von Morgen" zugeordnet werden können. Zu weiteren Kriterien, die erfüllt sein müssen vgl. 7.5.

Auf besonderen Beschluss der LAG ist allen nachfolgend beschriebenen Maßnahmebereichen das Querschnittsthema "Bildung" übergeordnet. Es ist von grundsätzlicher Bedeutung im Rahmen der Entwicklungsstrategie und findet daher bereits an dieser Stelle Erwähnung, ohne jeweils noch einmal besonders genannt zu werden. Bildungsaspekte sind dementsprechend ein besonderes Kennzeichen der Leitprojekte der Regionalen Entwicklungsstrategie (s.u.).

Aufgrund der Fülle der bisher eingegangenen Projektvorschläge (vgl. 8) hat die LAG beschlossen, im Rahmen der Entwicklungsstrategie gemeinsame Leitprojekte zu konzipieren, die von zentraler Bedeutung für die Entwicklung der Gesamtregion sind. Vorschläge für Leitprojekte wurden durch die LAG auf der Basis der ermittelten Entwicklungschancen und -hemmnisse entwickelt und unter Einbeziehung lokalen Fachwissens im Rahmen von Projektgruppen weiter ausgearbeitet (vgl. Kap. 3). Die Leitprojekte und ihre Bedeutung für die weitere Entwicklung der Wildeshauser Geest werden im Kapitel 8 ausführlich erläutert.

Maßnahmebereich 1: Erschließung des historischen Potentials

Maßnahmeziele:

Das archäologische und sonstige historische Potential der Region muss mit Blick auf die Zugänglichkeit und wirtschaftliche Nutzung wissenschaftlich aufgearbeitet und mit neuen Methoden und Instrumenten erschlossen bzw. dargestellt werden. Besondere Formen der Kommunikation und Vermittlung der historischen Potentiale sollen prioritär verfolgt werden. In diesen Maßnahmebereich gehört auch die Vernetzung von Museen und Ausstellungen sowie ähnliche Projekte.

Bezug zum Leitbild durch die Themenfelder:

  • Virtuelle Vergangenheit und reale Zukunft

  • Experimentelle Archäologie

Leitprojekt (vgl. 8.1):

  • Archäologisches Zentrum

Maßnahmebereich 2: Sicherung und Entwicklung der Kulturlandschaft

Maßnahmeziele:

In enger Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft soll Kulturlandschaft - ihre Flora und Fauna - erhalten bzw. wieder hergestellt werden. Dabei muss in Anlehnung an das Thema eine Konzentration auf diejenigen Standorte erfolgen, die nicht nur von hohem ökologischen Wert sind sondern außerdem den größten Nutzen für die Gesamtstrategie versprechen. Hierzu zählen insbesondere die Flußtäler der Hunte und anderer Flüsse und Bäche der Wildeshauser Geest. Entwicklungsvorhaben sollen ferner nach Möglichkeit zum Erhalt gefährdeter landwirtschaftlicher Betriebe beitragen.

Auch sind in diesem Zusammenhang spezielle Aktivitäten zur Umweltbildung zu verfolgen. Nur durch die Aufklärung von Besuchern und Bevölkerung kann die Nachhaltigkeit der Maßnahmen gesichert werden.

Bezug zum Leitbild durch die Themenfelder:

  • Natur- und Kulturdenkmäler "Altes Siedlungsland"

  • Agri-Kultur, Land-Wirtschaft

Leitprojekte (vgl. 8.2):

  • Wiederherstellung und Aufwertung geesttypischer Landschaftselemente

  • Vermarktungsinitiative für regionale landwirtschaftliche Produkte

 

Maßnahmebereich 3: Zielgruppenspezifische und regional integrierte Tourismusentwicklung

Maßnahmeziele: 

Zu den zentralen Ansätzen dieses Maßnahmebereiches gehört die Steigerung der allgemeinen Wertschöpfung des Tourismus (und vor allem auch der Naherholung) durch bereits vorhandene Zielgruppen, die Gewinnung neuer Zielgruppen durch themenspezifische Qualitäts- und Produktentwicklung sowie die Optimierung bzw. Ergänzung von Infrastrukturen.

Bezug zum Leitbild durch die Themenfelder:

  • Zu Gast am Wegesrand

  • Themen- und Geschichtswanderungen

  • Kulinarische Reisen durch die Jahrtausende

  • Events, Märkte und Spectaculi

  • * iterei gestern und heute

Leitprojekt (vgl. 8.3):

  • Erlebnisroute Archäologie 

 

Maßnahmebereich 4: Entwicklung des kulturellen Lebens und Verbesserung der wirtschaftlichen Lebensbedingungen

Maßnahmeziele:

Dieser Maßnahmebereich zielt in erster Linie auf die Verbesserung der Lebensbedingungen der ländlichen Bevölkerung. Hierzu sind einerseits kulturelle "Begegnungen" zu unterstützen bzw. die soziale Gemeinschaft in Dorf und Stadt durch geeignete Maßnahmen zu fördern. Besonderes Augenmerk ist dabei auf die Förderung der generationen-übergreifende Verständigung zu legen. Auch Vorhaben, die zur die Akzeptanz-Förderung auf interkultureller Ebene, d.h. zwischen den "alteingesessenen" Einwohner/innen der Region und Mitbürger/innen unterschiedlicher nationaler Herkunft, beitragen, gehören mit in diesen Maßnahmebereich.

Ein weiterer wesentlicher Bereich ist die Kontinuität der wirtschaftlichen Entwicklung. Altes Handwerk wandelt sich durch neue Methoden der Ressourcengewinnung und neue Instrumente ihrer Verwendung in ein den ländlichen Gegebenheiten angepaßtes neues Gewerbe. Arbeitsplätze sichern und schaffen und zukunftsweisende Qualifizierungen sind hier die entscheidenden Schlagwörter. Gemäß der formulierten Entwicklungsziele sind Vorhaben zur Beschäftigungsförderung von Frauen und Jugendlichen von zentraler Bedeutung in diesem Maßnahmebereich. 

Bezug zum Leitbild durch die Themenfelder:

  • Zeitenwende in Stadt und Dorf

  • Altes und neues Handwerk, ländliches Gewerbe

Leitprojekt (vgl. 8.4):

  • Strategiepool für nachhaltige Wirtschaftsentwicklung 

 

Maßnahmebereich 5: Herstellen der Informationsbasis und Koordinierung der Aktivitäten

Maßnahmeziele:

Hierbei handelt es sich um einen übergeordneten Maßnahmebereich für die künftige Entwicklung der Wildeshauser Geest: Um den skizzierten Entwicklungsprozess in Gang zu setzen, fehlen in der Region bisher die Voraussetzungen. Es werden Instrumentarien benötigt, mittels derer die vielen verfügbaren Informationen über vorhandene Objekte und Besonderheiten, Aktivitäten von Bevölkerung und Akteuren, Planungen von Betrieben und Institutionen zusammengetragen, geordnet und nach innen wie auch nach aussen kommuniziert werden können. 

Dabei geht es grundsätzlich um die reale wie auch zunehmend virtuelle Vernetzung der Akteure aber auch insgesamt um die zielgerichtete Schaffung neuer organisatorischer und kommunikativer Strukturen.

Bezug zum Leitbild durch das Leitthema:

  • Spuren von Gestern, Wege von Morgen

Leitprojekte (vgl. 8.5):

  • * Informationsnetzwerk Wildeshauser Geest

  • * Marketinginitiative für die Wildeshauser Geest

 

7.5 Entwicklung von Leitprojekten

Entwicklung von Leitprojekten
Im Rahmen der Entwicklungsstrategie sind auf Beschluss der LAG sieben Leitprojekte gemeinsam konzipiert worden. Vorschläge für Leitprojekte wurden durch die LAG auf der Basis der ermittelten Entwicklungschancen und -hemmnisse entwickelt und unter Einbeziehung lokalen Fachwissens im Rahmen von Projektgruppen weiter ausgearbeitet (vgl. Kap. 3). Diese Vorgehensweise ist ein innovativer Ansatz insofern, als dass es sich bei den Leitprojekten nicht um Einzelvorschläge handelt, sondern jeweils um gemeinschaftlich erarbeitete Projekte.

Kriterien für Leitprojekte
Maßgebend für die Ausarbeitung der Leitprojekte waren die folgenden Kriterien, denen alle Leitprojekte genügen müssen. Leitprojekte: 

  • erfüllen jeweils mindestens zwei der Entwicklungsziele (vgl. 6)

  • haben einen Bezug zum Leitbild und dessen Themen (vgl. 7)

  • sind von zentraler Bedeutung für die Entwicklung der Gesamtregion

  • setzen die Entwicklungsstrategie beispielhaft um

  • sind modellhaft und innovativ für die Region.

Die Leitprojekte spiegeln daher nicht nur die Entwicklungsstrategie wider, sondern sind darüber hinaus konsensfähig und immer auf die Gesamtregion ausgerichtet. Sie haben eine Initiativfunktion und es ist davon auszugehen, dass sie ihrerseits vielfältige Impulse für die weitere Entwicklung der Region setzen werden. 

Korrespondierende Leitprojekte
Eine Besonderheit der Leitprojekte ist darüber hinaus, dass sie miteinander korrespondieren. Wie die nachfolgende Graphik zeigt, stehen sie - aufbauend auf dem gewählten Leitbild - thematisch-inhaltlich miteinander in Verbindung (vgl. 8.1 - 8.3). Die Leitprojekte "Informationsnetzwerk" und "Marketinginitiative" übernehmen für die anderen Leitprojekte im Hinblick auf die Außendarstellung und die interne Kommunikation wichtige strategische Funktionen (8.5). Der "Strategiepool für nachhaltige Wirtschaftsentwicklung" schließlich flankiert alle anderen Leitprojekte im Bereich Wirtschafts- und Beschäftigungsförderung (vgl. 8.4).

Wirtschaftliche Tragfähigkeit
Alle Leitprojekte sind so konzipiert, dass eine wirtschaftliche Tragfähigkeit auch nach Auslaufen der Förderung durch die jeweiligen Nutznießer gesichert werden kann.

7.6 Steuerung des Entwicklungsprozesses durch die LAG

Die Steuerung des Entwicklungsprozesses obliegt der LAG. Sie wird im Rahmen der Umsetzung des Regionalen Entwicklungskonzeptes die künftigen Projektanträge hinsichtlich ihrer Übereinstimmung mit der Entwicklungsstrategie überprüfen und entsprechend für die Umsetzung auswählen. Dabei gelten folgende grundlegende Auswahlkriterien:

Künftige Entwicklungsmaßnahmen müssen einem der nachfolgenden Maßnahmebereiche zugeordnet werden. Ferner muss - im Sinne eines integrativen Strategieansatzes - jeweils nachgewiesen sein, dass mindestens zwei der Entwicklungsziele (vgl. Abschnitt 6) und die Anforderungen des thematischen Leitbildes (vgl. Abschnitt 7) gleichermassen erfüllt werden. 

Einzelvorhaben müssen darüber hinaus auf ihre strategische Verknüpfung mit jeweils anderen Vorhaben sowie Möglichkeiten der Ausweitung auf die Gesamtregion abgeprüft werden. Schließlich muss für jedes Vorhaben nachgewiesen sein, wie eventuelle Folgekosten wirtschaftlich abgesichert werden können bzw. eine wirtschaftliche Eigenständigkeit erreicht werden soll. 

Wie bereits an anderer Stelle (vgl. 6) erläutert, hat sich die LAG darüber hinaus darauf verpflichtet, die zentralen Anforderungen des Gender Mainstreams und die Prinzipien der Nachhaltigkeit im ökologischen, sozialen und ökonomischen Sinne bei der Auswahl der Projekte zur Umsetzung der Entwicklungsstrategie zugrunde zu legen.

7.7 Pilotcharakter der Entwicklungsstrategie

Die für die Leader+-Initiative Wildeshauser Geest gewählte Entwicklungsstrategie ist in mehrerlei Hinsicht pilothaft - nicht nur im Vergleich zu bisherigen regionalen Entwicklungsanstrengungen sondern auch im Vergleich zu allgemein üblichen Ansätzen und Verfahren. Die hier beschriebene Entwicklungsstrategie nimmt bekannte Elemente einer diskursiven Regionalentwicklung auf und entwickelt sie weiter. So ist die Entwicklung eines regionalen Leitbildes zunächst ein übliches Instrument der Profilierung einer Region und der Verpflichtung von Akteuren auf die Umsetzung der Inhalte des Leitbildes. Neu hingegen - und im Ergebnis überaus positiv zu beurteilen - ist der Einsatz eines zuvor durch die Akteure bzw. die LAG gemeinsam entwickelten thematischen Leitbildes und dessen Einsatz in der Ideenfindung und dem Dialog mit der Bevölkerung. Die Zukunftswerkstätten waren insbesondere deshalb so erfolgreich, weil die Themen des Leitbildes für die Bürgerinnen und Bürger greifbar waren und der Bezug zum eigenen Lebensumfeld sehr schnell hergestellt werden konnte. So blieb das Beteiligungsverfahren - wie häufig bei Leitbildprozessen zu beobachten - nicht in einer abstrakten Phase stecken, in der zumeist die "üblichen Akteure" unter sich bleiben, sondern zeichnete sich durch ein sehr starkes Engagement und lebhafte Diskussionen aus.

Auch die Entwicklung von Leitprojekten ist kein neues Instrument der regionalen Entwicklung. Eine Weiterentwicklung dieses Ansatzes - und insofern modellhaft - ist das hier gewählte Verfahren der Entwicklung von Leitprojekten. Und zwar in zweierlei Hinsicht: Zunächst handelt es sich bei den Leitprojekten um im Zuge der Aufstellung des REK völlig neu konzipierte Vorhaben. Sie sind damit keine "Schubladenprojekte". Vielmehr wurden Ideen, die im Beteiligungsverfahren gemeldet wurden, aufgegriffen und entlang bestimmter Kriterien (vgl. 7.5) gemeinsam zu Leitprojekten weiterentwickelt. An der Umsetzung der Leitprojekte wird die gesamte Wildeshauser Geest beteiligt sein. Auch die Korrespondenz der Leitprojekte miteinander (vgl. 7.5) ist ein neuer Ansatz. Die sieben Leitprojekte sind jeweils für sich genommen bereits von großer Bedeutung für die Region und auch jeweils einzeln umsetzbar. Durch ihren inneren Bezug zueinander verstärken sie sich jedoch in ihren Auswirkungen um ein Vielfaches. Diese Form der Projektgenerierung setzt damit die Forderung nach einem alle Ebenen integrierenden Ansatz in beispielhafter Weise um. Auf diese Weise ist es auch möglich, bei der Erschließung endogener Potentiale völlig neue Verbindungen zwischen dem Einsatz von Humanressourcen, natürlichen und kulturellen Potentialen sowie insgesamt bisher unverbundenen Wirtschaftssektoren herzustellen (siehe dazu im einzelnen Beschreibung der Leitprojekte). 

Im Hinblick auf die Beteiligung der lokalen Bevölkerung hat sich der für die Aufstellung des REK gewählte Einsatz des Internets als zukunftsweisend ergeben (vgl. 3). Hervorzuheben ist insbesondere die einfache Zugänglichkeit der Informationen und deren Aktualität. Auch sind "Hemmschwellen" nicht in der Form vorhandenen, wie es bspw. bei öffentlichen Sitzungen der Fall ist. Aufgrund dieser Erfahrungen wird diese Form der Beteiligung daher konsequent weitergeführt in Form des "Informationsnetzwerkes Wildeshauser Geest" (vgl. 8.5).

Éntscheidend für die Beteiligung der lokalen Bevölkerung auch bei der Umsetzung von Projekten ist darüberhinaus, dass die Beteiligung an der Ideenfindung auch honoriert wird. Dies ist im Rahmen des REK dadurch sichergestellt, dass alle genannten Projektideen als Projektfundus in das REK aufgenommen wurden.

Auch die Anforderung, auf der Basis der Besonderheiten der Region neue Erzeugnisse und Dienstleistungen zu entwickeln, wird durch das REK erfüllt. Das archäologische Potential der Region wird durch die Entwicklungsstrategie zum zentralen Aushängeschild der Region. Dabei beschränkt sich dies nicht allein auf den touristischen Bereich. Das Motto der Entwicklungsstrategie wird auch zum Werbeträger nach innen und damit zur Basis für eine noch ausstehende regionale Identitätsfindung. Gleichzeitig ist es auch Grundlage für die Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen im gewerblichen Bereich, da sich durch Themenfelder des Leitbildes, wie z.B. "Altes und Neues Handwerk", "Kulinarische Reise durch die Jahrtausende" u.a. völlig neue Geschäftsfelder auftun.

7.8 Synergieeffekte mit weiteren Förderprogrammen

Die hier beschriebenen Maßnahmebereiche und insbesondere Leitprojekte sind so angelegt, dass vielfältige - auch gegenseitige - Impulse mit anderen Förderprogrammen, namentlich PROLAND und EQUAL, möglich und zu erwarten sind. So gibt es eine Übereinstimmung der für das REK gewählten Entwicklungsziele und Maßnahmebereiche mit wesentlichen Teilzielen aus den Förderschwerpunkten I (Verbesserung der Produktionsstruktur) II (Sektorübergreifende Maßnahmen zur ländlichen Entwicklung) und III (Agrarumwelt- und Ausgleichsmaßnahmen sowie Maßnahmen zum Schutz der Umwelt) des Programms zur Entwicklung der Landwirtschaft und des ländlichen Raumes PROLAND. Berührungspunkte gibt es darüber hinaus auch mit den zentralen Schwerpunktbereichen der Gemeinschaftsinitiative EQUAL und dem niedersächischen Ziel 3-Programm. Bei EQUAL etwa im Hinblick auf die strategischen Schwerpunkte "Beschäftigungsfähigkeit" (Erleichterung des Zugangs bzw. Rückkehr auf den Arbeitsmarkt), "Unternehmergeist (Förderung von Existenzgründungen und Stärkung der Sozialwirtschaft/Dritter Sektor), "Chancengleichheit von Frauen" (Erleichterung von Familie und Beruf und Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt) sowie "Anpassungsfähigkeit von Unternehmen/Arbeitnehmern/innen" (lebenslanges Lernen und integrationsfördernde Arbeitsgestaltung).

Bezogen auf das niedersächsische Ziel 3-Programm sind Synergien in folgenden Politikbereichen zu erwarten:

  • Politikbereich Aktive Arbeitsmarktpolitik: Programm "Einzelprojekte der beruflichen Qualifizierung von Arbeitslosen"

  • Politikbereich Förderung der sozialen Eingliederung und Chancengleichheit: Programme "Qualifizierung von langzeitarbeitslosen Sozialhilfeempfänger/innen" und "Förderung von Arbeitslosen - und Sozialhilfeempfängern/innen"

  • Politikbereich Förderung von Anpassungsfähigkeit und Unternehmergeist: Programm "Präventive Arbeitsmarktpolitik"

  • Politikbereich Spezifische Aktionen für Frauen: Programm "Förderung der Integration von Frauen in den Arbeitsmarkt"

  • Politikbereich Soziales Risikokapital: Programm "Förderung lokaler Kleinstprojekte im sozialen Bereich"

Die Mitglieder der LAG verpflichten sich, die sich auftuenden Synergien der Entwicklungsstrategie mit Massnahmen unter den genannten Förderprogrammen zu prüfen und wo möglich, im Rahmen der jeweiligen Vorhaben entsprechend herzustellen.

7.9 Zusammenarbeit mit benachbarten Leader+-Initiativen

Die Leader+-Initiative Wildeshauser Geest hat mit der Leader-Initiative "Um Oldenburg" förmlich verabredet, im Falle einer Förderung durch Leader+ ihre sich ergänzenden oder berührenden Massnahmen aus den jeweiligen Entwicklungskonzepten besonders in den aneinander grenzenden Städten und Gemeinden abzustimmen (vgl. entsprechende Absichtserklärung im Anhang). Die LAG ist bestrebt, mit den ebenfalls benachbarten Leader+-Initiativen "Diepholzer Moorniederung" und "Vechta" in gleicher Weise zu einer Abstimmung zu gelangen.

Urlaubsjournal 2009/2010


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