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Regionales Entwicklungskonzept für den Naturpark Wildeshauser Geest

6.  Entwicklungsziele

6.1 Zentrale Entwicklungsziele

In Anlehnung an die Leitlinien der Europäischen Kommission für die Gemeinschaftsinitiative Leader+ ergeben sich aus der Bestandsaufnahme und der nachfolgenden Bewertungen zwei zentrale Zielsetzungen für die Wildeshauser Geest:

  • Aufwertung der lokalen Erzeugnisse, indem besonders Kleinbetrieben durch kollektive Maßnahmen der Marktzugang erleichtert wird.
    Dieser Zielbereich stellt auf die im vorigen Kapitel als Entwicklungspotential dargestellte kleinbetriebliche Struktur der Wirtschaft in der Wildeshauser Geest ab: Diese unter Einschluss von Handel und Dienstleistungen (also nicht unter Konservierung der Dominanz gewerblicher Betriebe) zu entwickeln, zählt zu den zentralen Aufgaben eines regionalen Entwicklungsprozesses.

  • Valorisierung des natürlichen und kulturellen Potentials einschließlich der Steigerung des Werts von Flächen im gemeinschaftlichen Interesse, die unter Natura 2000 ausgewählt wurden.
    Das historische Erbe der Region, das aus Gebäuden, Fundstellen, Überlieferungen, und in wesentlichen Teilen aus alter Kulturlandschaft besteht, neu zu entfalten und für die Menschen der Region und deren Besucher zu erschließen, ist die zweite wesentliche Zielsetzung des REK.

Beide Zielbereiche können nicht losgelöst voneinander betrachtet werden, denn die Förderung von lokalen Erzeugnissen soll sich weitestgehend an der Entwicklung des natürlichen und historischen Potentials orientieren. Die Valorisierung von Natur und Kultur wiederum soll dort die höchste Priorität erhalten, wo sie die Entwicklung lokaler und regionaler Erzeugnisse stützt und befördert.

6.2 Differenzierung der zentralen Entwicklungsziele

Um die wechselseitige Befruchtung der Zielbereiche in praktisches Handeln umzusetzen und die Zielsetzungen an die speziellen regionalen Erfordernisse der Wildeshauser Geest anzupassen, muss zunächst eine weitere Differenzierung der Zielbereiche erfolgen, die ganz besonders die herausgearbeiteten Entwicklungspotentiale und -hemmnisse berücksichtigt:

Im Vordergrund steht dabei zunächst der Abbau zentraler Entwicklungshemmnisse, die durch viele unterschiedliche Akteure und den bisher geringen Grad ihrer Vernetzung bestehen. Erstes und wichtigstes Ziel muss also sein, die regionale Handlungsfähigkeit herzustellen (vgl. auch Schaubild).

Die beiden folgenden, ebenfalls dem Schaubild zu entnehmenden Ziele ergeben sich direkt aus einer Differenzierung des Zielbereiches 2. Die Differenzierung macht noch einmal deutlich, dass es sich trotz der hier verfolgten integrativen Sichtweise um für sich genommen eigenständige Ziele handelt: Dabei geht es um Förderung der kulturellen Integration und die Herstellung regionaler Identität auf der einen Seite und den Erhalt bzw. die Entwicklung der natürlichen Lebensgrundlagen auf der anderen Seite. Wenn also, etwa bei der Erschließung des historischen Potentials, die beiden Ziele mit weiteren Zielsetzungen eine integrative Verbindung eingehen, ist trotzdem dafür Sorge zu tragen, dass beide Bereiche gleichgewichtig "bedient" werden. Ähnliches gilt auch für die weiteren Ziele und ihre möglichen Verbindung im strategischen Ansatz.

Die Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen ist mit allen ihren vielen möglichen Komponenten (z.B. Förderung von Qualifizierung, Existenzgründung, Betriebserweiterung, neuen Kooperationsformen, neuen Produkten) ein Querschnittsthema für alle hier genannten Zielsetzungen.

Damit in Verbindung steht ein weiterer Querschnitts-Bereich: die Integration von am Arbeitsmarkt benachteiligten Personengruppen. Hier wären z.B. Frauen mit ihren spezifischen Anforderungen an die Flexibilität von Arbeit sowie Jugendliche zu nennen. Es werden sich aber im Verlauf mittelfristiger Zeiträume weitere Zielgruppen der Arbeitsmarktpolitik ergeben. Besonders ist an dieser Stelle auf Aussiedler/innen und ausländische Mitbürger/innen hinzuweisen, die ihrerseits spezifischer Unterstützung bei der Integration in das Arbeitsleben bedürfen.

6.3 Die Operationalisierung der Ziele und ihr Bezug zum Leitbild der Region

Die große Herausforderung eines regionalen Entwicklungskonzeptes besteht nicht nur darin, Strategien und Maßnahmen zu entwickeln, die sich auf vorher verabschiedete Zielsetzungen beziehen.

Aus der Sicht der LAG der Wildeshauser Geest sollte das Regionale Entwicklungskonzept einer Region Bewertungshilfen und Prüfkriterien zur Verfügung stellen, an Hand derer die LAG in jeder Phase der Umsetzung schnell und einfach entscheiden kann, welche Maßnahmen ein Maximum an Synergieeffekten freisetzen und daher bevorzugt durchzuführen sind. Dies gelingt nur, wenn - wie hier geschehen - ein aus der Region heraus generiertes Themen- und Handlungsgefüge entwickelt wird, das durch seinen verbindenen Charakter das Zielbündel in paßgenaue Aktionen auflöst. In der Wildeshauser Geest wurde aus den genannten Überlegungen heraus ein thematisches Leitbild entwickelt.

Die Wildeshauser Geest hat damit einen für die regionale Entwicklung neuen Weg beschritten: Um die Verbindung aller Ziele zu einem strategischen Bündel herzustellen und diese Verknüpfung (nicht nur für Fachleute) nachvollziehbar und plausibel zu machen, wurde zunächst ein thematisches Leitbild für die Region im Konsens entwickelt (Vgl. Kap. 7). Nachdem ein erster Entwurf von der LAG verabschiedet worden war, wurde das Leitbild in den Zukunftswerkstätten (Kap. 3) der Bevölkerung vorgestellt und auf der Basis der Anregungen und Vorschläge weiterentwickelt.

Neu an diesem Leitbild ist somit seine Bedeutung auf ganz verschiedenen Ebenen der Regionalentwicklung:

  • Das Leitbild erfüllt eine konzeptionelle Funktion, indem es ein Bündel von Einzelzielsetzungen auf ein thematisches Handlungsfeld bezieht.

  • Es erfüllt die Funktion einer Konsensbeschaffung unter den regionalpolitischen Akteuren.

  • Es dient der Bevölkerung und den Akteuren als Identität stiftender Faktor.

  • Es dient als Grundlage für die Präsentation (und Vermarktung) der Region nach außen.

Die Ausarbeitung des Leitbildes selbst ist in den folgenden Kapiteln 7 und 8 beschrieben. Dabei ist anzumerken, dass die zentralen Anforderungen der Nachhaltigkeit und des Gender Mainstreams bei der Auswahl der Themenfelder verstärkt berücksichtigt wurden. Das Leitbild selbst und alle daran geknüpften Maßnahmebereiche sind daher auch insofern nachhaltig, als sie bei den natürlichen, ökonomischen und soziokulturellen Potentialen der Region anknüpfen und zu deren integrierter Entwicklung beitragen.

Die Anforderungen des Gender Mainstreams müssen in der Wildeshauser Geest verstärkt durch die Förderung von Frauen und deren Integration in den Arbeitsmarkt erfüllt werden.

Diese allgemeinen Ansätze von Nachhaltigkeit und Gender Mainstream sind bei der späteren Umsetzung des REK durch die LAG im Falle jeder einzelnen Maßnahme noch einmal genauer zu prüfen, denn erst bei der konkreten Umsetzung von Projekten kann die Einhaltung dieser zentralen Kriterien sichergestellt werden.

Es sind jedoch bei der Aufstellung dieses REK von vornherein keine Maßnahmen behandelt worden, die Nachhaltigkeit und Geschlechterbeteiligung gefährden oder gar ausschließen. Alle bisher von Bevölkerung und Akteuren vorgeschlagenen Projektideen wurden einer Vorprüfung im Hinblick auf diese Kriterien unterzogen und sind in diesem Sinne als während der späteren Umsetzung behandlungsfähig eingestuft worden.

Urlaubsjournal 2009/2010


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