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Regionales Entwicklungskonzept für den Naturpark Wildeshauser Geest


5.  Stärken-Schwächen-Analyse

Die Stärken-Schwächen-Analyse wurde gemeinsam mit der Bestandsaufnahme und mit dem unter 4.8 beschriebenen Verfahren erstellt.

An dieser Stelle erfolgt bewußt nur eine sehr knappe Darstellung der Stärken und Schwächen der Region. Um ein möglichst ergebnisorientiertes und lesbares REK zu präsentieren, wird hier keine umfassende Analyse formuliert, sondern ausschließlich diejenigen Stärken und Schwächen benannt, die für die Entwicklungsstrategie nach den gewählten Entwicklungszielen (vgl. Kap. 6) relevant, d.h. zielführend sind:

5.1 Stärken der Region

Eine zentrale Stärke des Raumes ist sein großes naturräumlich-geschichtliches Potential. Obgleich der Anteil der naturnahen Flächen relativ klein ist, werden Wahrnehmung und Erlebnisqualität durch die eiszeitliche Gestalt der Landschaft in Verbindung mit den vielen vorhandenen geschichtlichen (Boden-) Denkmälern bestimmt. Die ökologischen Stärken der Region liegen ferner in den feuchten Niederungen der Fluss- und Bachtäler mit ihren vielfältigen Lebensgemeinschaften. Eine durch die Lage der Region gegebene Stärke ist ihre Nähe zu den Verdichtungsräumen Bremen und Oldenburg. Hier ist es zum einen die Suburbanisierung von Bevölkerung und Betrieben, die mittlerweile eigenständige Impulse in die Region getragen hat. Darüber hinaus stellt die Bevölkerung der Verdichtungsräume ein großes Potential für die Naherholung und den Kurzzeittourismus dar.

Ferner ist die gute Erreichbarkeit der Region auf der Haben-Seite zu verbuchen: Insbesondere durch die A1 besteht "Anschluss" an Fernverkehre aus allen Richtungen (wenngleich diese Stärke perspektivisch nur durch einen Ausbau der Strecke gehalten werden kann).

Die Wirtschaft der Wildeshauser Geest ist zwar vor dem Hintergrund des sektoralen Strukturwandels ungünstig strukturiert. Das dominierende Verarbeitende Gewerbe hat sich jedoch mit seiner breiten Produktpalette als äußerst dynamisch erwiesen. Als Stärke muss somit nicht die Wirtschaft insgesamt gelten, sondern eher der Mittelstand als solcher und eine von kleinen und mittleren Betrieben geprägte Ökonomie. Äußerst leistungsfähig ist auch die Landwirtschaft, wobei diese den Einschätzungen der Experten und Expertinnen nach keine mit den Landkreisen Cloppenburg und Vechta vergleichbare Bedeutung erlangen wird. Es handelt sich jedoch um einen ausreichend stabilen Wirtschaftszweig, um Arbeitskraft im ländlichen Raum zu binden.

Auf der Basis einer positiven Wirtschaftsentwicklung war bisher die Arbeitslosigkeit unterdurchschnittlich ausgeprägt. Während dieses positive Merkmal angesichts der vorhandenen Strukturen schnell einen vorübergehenden Status erlangen könnte, ist die allgemein junge Bevölkerung sowie deren Bereitschaft zur Mitgestaltung des Lebens- und Arbeitsumfeldes eindeutig als regionale Stärke zu werten.

  • Junge Bevölkerung
  • Dynamische Wirtschaft, u.a. durch Mittelstand und Branchenmix im Verarbeitenden Gewerbe
  • Leistungsfähige Landwirtschaft
  • Starke Potentiale im Bereich Kultur- und Erholungslandschaft mit vor- und frühgeschichtlichen Siedlungsspuren bzw. archäologischen Fundstätten
  • Vielfältige Arten und Lebensgemeinschaften in Fluss- und Bachtälern
  • Nähe zu Oberzentren Bremen und Oldenburg
  • Gute verkehrliche Erschließung durch die A1

5.2 Schwächen der Region

Während die natürlichen, landschaftlichen bzw. landschaftshistorischen Ressourcen der Wildeshauser Geest als Stärke angesehen werden müssen, stellt der gegenwärtige Entwicklungsstand dieser Ressourcen im Hinblick auf ihren Schutz sowie die Verknüpfung mit kulturellen und touristischen Entwicklungschancen eine Schwäche dar: Das bedeutet nicht, dass in der Vergangenheit zu zögerlich gehandelt wurde, oder aber falsche Prioritäten gesetzt worden sind. Der noch nicht entsprechend seiner "Natur" entwickelte Naturpark ist eher das Ergebnis mangelnder Ressourcen und einer bisher unzureichenden Organisationsfähigkeit der vielen Akteure. Letzteres Manko wirkt vor allem auch in die Tourismusentwicklung hinein, die auch für sich allein genommen recht langsam voranschreitet (s.u.).

Schließlich stellen auch zunehmende Nutzungskonflikte zwischen Landwirtschaft und Tourismus, zwischen Landwirtschaft und Naturschutz sowie zwischen Naturschutz und Tourismus ein zunehmendes Entwicklungshemmnis dar: Die rein flächenbezogenen Nutzungskonflikte werden sich dabei ganz sicher verschärfen, weil "Fläche" als Ressource knapper wird. Dies gilt für alle drei Seiten der Flächenkonkurrenz, für die Siedlungstätigkeit, den Ausbau landwirtschaftlicher Betriebe im Zuge des Produktivitätsfortschritts und der Diversifizierung und schließlich auch für den Ausbau touristischer Infrastrukturen. Wie der Streit um die Einschränkungen der touristischen Nutzung der Hunte als Freizeitgewässer andeutet, werden mit der Intensivierung der Erholungsfunktion und dem steigenden "Nutzeraufkommen" in der Natur auch neue Konflikte auftreten, für die man nicht erst dann Lösungsmodelle zur Hand haben muss.

Eine Schwäche, die bereits mehrmals erwähnt wurde, ist die ungünstige Wirtschaftsstruktur mit einem nur geringen Dienstleistungsanteil und einem Unterbesatz dynamischer Branchen des verarbeitenden Gewerbes. Auch wenn der Mittelstand und das Handwerk der Region bisher zu wirtschaftlichen Erfolgen verholfen haben, sollte man sich nicht allein auf eine solche, bisher stabile Konstellation verlassen.

Zur ungünstigen Wirtschaftsstruktur gehört die Landwirtschaft insofern, als sie zwar Beschäftigung sichert, aber im Zuge des Produktivitätsfortschritts jährlich eine nicht unbeträchtliche Zahl von Personen freisetzt, die wegen des Fehlens geeigneter Qualifikationen sehr schwer in den Arbeitsmarkt reintegrierbar sind. Dazu kommen die bei modernen landwirtschaftlichen Betrieben auftretenden saisonalen Schwankungen der Beschäftigung. Diese sind entgegen landläufiger Meinung nicht allein durch den vorübergehenden Einsatz auswärtiger Arbeitskräfte zu glätten. Den Betrieben fehlen ganz besonders fachlich gut ausgebildete Kräfte, die in Spitzenzeiten auch an modernem landwirtschaftlichen Gerät eingesetzt werden können.

Als Schwäche macht sich der geringe Vernetzungsgrad der regional- und strukturpolitischen Akteure bemerkbar. Zwar hat sich - vor allem durch die vorhergehenden Phasen des Programms Leader - eine große Dialogbereitschaft unter den Akteuren eingestellt. Es fehlen aber noch Strukturen für einen schnellen Informationsaustausch und eine Koordinierung aller Einzelaktivitäten in der relativ großen Region.

Dieser Mangel an Strukturen macht sich besonders im Tourismus bemerkbar: Hier kommt es gerade darauf an, die vielen dezentralen Handlungsansätze der Kommunen und weiterer Akteure zu verbinden bzw. aus den vielen vorhandenen Bestandteilen ein Produkt "Erholungsregion" zu machen. Hier bestehen somit noch deutliche Schwächen.

Diese treten auch deshalb stärker zutage, weil einzelne Infrastrukturbestandteile fehlen, die für eine Verlängerung der Aufenthaltsdauer von Gästen von essentieller Bedeutung sind. So kann das kulturlandschaftliche und historische Potential der Wildeshauser Geest insgesamt noch als relativ unerschlossen bezeichnet werden. Hier sind nicht nur die Steingräber der jüngeren Steinzeit anzuführen, sondern alle archäologischen Fundstätten, historische Bauwerke, durch Siedlungstätigkeit geprägte Landschaften und Landschaftsbestandteile (z.B. alte Eschfluren, Hutewälder, Schlatts, Hecken, Wälle Sandfänge), alte Wegführungen sowie gelebtes Kulturgut. Der Mangel an Infrastrukturen besteht oft nicht im Fehlen von Hinweisschildern oder in der wegetechnischen Erschließung, sondern in der Verknüpfung der Relikte aus Landschaft, Fundstätten, Bauwerken oder Monumenten sowie Rekonstruktionen zu einer von Vielfalt geprägten historischen Rückschau. Die Schwäche der Region besteht vereinfacht ausgedrückt darin, über reichlich Ware zu verfügen, aber ein leeres Schaufenster vorzuhalten.

Eine Entwicklungsschwäche besonderer Art ist die unterdurchschnittliche Erwerbsquote von Frauen in der Wildeshauser Geest. Da gerade die ländliche Entwicklung mit ihren unterschiedlichen Facetten des qualitativen und quantitativen Wachstums auf die Kreativität von Frauen nicht verzichten kann, ist das Fehlen von geeigneten Arbeitsmöglichkeiten als Manko zu betrachten. Immer noch benötigen Frauen oftmals Arbeit, die zeitlich (und eventuell sogar örtlich) flexibel ist. Ferner deutet die Beobachtung geringer Erwerbsquoten von Frauen auch das Fehlen geeigneter Qualifizierungen an.

  • Für das vorhandene Potential zu geringer Entwicklungsstand der natürlichen und landschaftshistorischen Ressourcen.

  • Zunehmende Konflikte im Dreieck von Landwirtschaft, Naturschutz und Tourismus.

  • Ungünstige Wirtschaftsstruktur

  • Strukturwandel der Landwirtschaft (Höfesterben) und saisonale Schwankungen der Beschäftigung.

  • Unzureichende regionsübergreifende Kommunikationsstrukturen sowie unzureichende Marketingaktivitäten im Tourismus.

  • Fehlende Infrastrukturen zur Verlängerung der Aufenthaltsdauer von Gästen und fehlende Verknüpfung touristischer Potentiale.

  • Mangel an Qualifizierungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten für Frauen.

5.3 Entwicklungspotentiale

Mit den oben beschriebenen Entwicklungsstärken sind die vorhandenen Potentiale bereits angerissen worden. Um mehr Klarheit in die Argumentation zu bringen, muss allerdings noch eine Negativabgrenzung gegenüber den grundsätzlichen Entwicklungsmöglichkeiten des Raumes erfolgen:

Zu den Entwicklungsmöglichkeiten grundsätzlicher Art gehört zum einen die Ausschöpfung der Suburbanisationseffekte und zum anderen die Nutzung der A1 als zentraler Verkehrsader für eine gezielte Akquisition von Gewerbebetrieben von außerhalb der Region.

Die Suburbanisierung trägt zwar ohne Zweifel starke Impulse in die Region hinein, wird aber nicht als Entwicklungspotential betrachtet, da es sich nicht um eigene Entwicklungsansätze der Geest handelt, sondern um Veränderungen im siedlungsstrukturellen Gefüge eines größeren Raumes mit positiven Verteilungswirkungen für die Wildeshauser Geest und negativen Wirkungen für andere Teile des Raumes (z.B. Bremen und Oldenburg). Da sich größerräumlich gesehen die Gewinne und Verluste gegenseitig aufheben, wird die Suburbanisierung hier nicht als Grundlage für eine Entwicklungsstrategie ausgeführt.

Die Lage an der A1 ist im Hinblick auf die Ansiedlung von Industrie und Gewerbe ganz sicher ein Entwicklungspotential, sofern diese Betriebe nicht im Zuge der Suburbanisierung aus den Städten Bremen und Oldenburg kommen.

Für eine Ausschöpfung des vorhandenen Ansiedlungspotentials an der A1 sind jedoch größere Gewerbestandorte erforderlich, die unter erheblichem finanziellen Aufwand in interkommunaler Kooperation entwickelt werden müssen. Der Landkreis Oldenburg und einige Gemeinden sind in diesem Feld bereits aktiv: Es werden zur Zeit Standorte gesucht bzw. auf Eignung geprüft.

An dieser Stelle soll jedoch das sogenannte "endogene" Entwicklungspotential dargelegt werden, wie es als Basis für eine breit verankerte regionale Entwicklungsstrategie vorgefunden werden kann.

In diesem Sinne lassen sich Entwicklungspotentiale in folgenden Bereichen feststellen:

Bevölkerung:
Wie auch der Prozess zur Aufstellung des Regionalen Entwicklungskonzept selbst gezeigt hat (vgl. Kap. 3), ist in der Bevölkerung eine hohe Bereitschaft zur Mitarbeit an Identität-stiftenden Projekten und Aktionen festzustellen. Auch die Menschen in den suburbanen Gebieten der Region identifizieren sich mit ihrem Lebensumfeld und haben eine große Bandbreite von Ideen und Anregungen zur Entwicklung der Geest eingebracht.

In Verbindung mit anderen regionalen Potentialen können die Kreativitätsreserven der Bevölkerung besonders zielgerichtet mobilisiert werden.

Wirtschaft:
In der Wirtschaft liegen die Entwicklungspotentiale in der Förderung kleinteiliger Strukturen. Handwerk und kleineres Gewerbe haben in der Vergangenheit bereits zur ökonomischen Stabilität der Region beigetragen. Dazu kommen unausgeschöpfte Entwicklungsreserven im Dienstleistungsbereich, insbesondere aber bei Gastronomie, Handel und allen tourismusaffinen Bereichen.

Dieses Potential, und dabei insbesondere eine Förderung von Handwerk und Kleingewerbe, kann nur durch zielgenaues Vorgehen erschlossen werden. Ein undifferenziertes Vorgehen hätte ansonsten die Konservierung der vorhandenen Wirtschaftsstrukturen mit ihrer Dominanz des Produzierenden Gewerbes zur Folge.

Wie hier bereits anklingt, liegen eigenständige Potentiale in der Entwicklung eines Tourismus, der sich auf qualitativ hochwertige Produkte und demzufolge bestimmte Zielgruppen konzentriert. Gerade diese - sich vom Massentourismus unterscheidende Form des Tourismus - bietet mit seinen dezentralisierten und verknüpften Angeboten große Gestaltungsmöglichkeiten für Heimatvereine und andere organisierte Interessen der Bevölkerung.

Die Landwirtschaft stellt ebenfalls eine entwicklungsfähige Branche dar. Da die Landwirtschaft insgesamt aber auf die Gegebenheiten der europäischen Agrarmärkte ausgerichtet ist, entzieht sie sich in ihren zentralen Bereichen einer regionalen Gestaltung. Ein Entwicklungspotential stellt sie jedoch insofern dar, als die Landwirte und ihre Familien entscheidenden Anteil an der Gestaltung regionaler Entwicklungsprozesse haben. In diesem Sinne ist die Landwirtschaft letztlich als Humankapital für die ländliche Entwicklung zu betrachten und durch geeignete Maßnahmen zu erhalten und zu fördern.

Landschaft und Geschichte:
Wie bereits im Zusammenhang mit Stärken und Schwächen formuliert, stellen Natur und Landschaft einschließlich der kulturhistorischen und archäologischen "Bodenschätze" ein Potential dar, welches gerade in Verknüpfung mit anderen Handlungsfeldern wie Wirtschaft und Kultur große Entwicklungschancen bietet.

5.4 Entwicklungshemmnisse

Entwicklungshemmnisse werden als Probleme angesehen, die sich bei der Umsetzung einer regionalen Entwicklungsstrategie in den Weg stellen. Sie sind im Gegensatz zu den Entwicklungsschwächen prozedurale Barrieren bei der Förderung von Stärken und dem Abbau von Schwächen.

Ein zentrales Entwicklungshemmnis sind die wegen der Größe der Region vorhandenen vielen Akteure und ihre jeweiligen Eigeninteressen. Diese "Entwicklungsbarriere" macht sich besonders bei der Förderung kleinteiliger, vernetzter Strukturen mit ohnehin vielen Beteiligten bemerkbar. Das bedeutet, dass gerade dort, wo die wichtigsten Potentiale liegen, mit dem Auftreten von Problemen zu rechnen ist.

Um z.B. die große Interessenvielfalt im Tourismus zu koordinieren, fehlt es bisher an geeigneten Instrumenten. Insgesamt gesehen besteht das Entwicklungshemmnis somit in der noch nicht entwickelten Fähigkeit, einen regionalen Entwicklungsprozess mit breiter Abstimmung zu initiieren und zu lenken.

Ein weiteres Entwicklungshemmnis besteht in der wachsenden räumlichen Verdichtung, nicht nur in den suburbanen Teilen der Region. Daraus folgen Nutzungskonflikte, die die Reaktionsfähigkeit der Region auf konzeptionelle Anforderungen einschränken: Wo immer Lösungen für neue Entwicklungsaufgaben gefunden werden müssen, sollen konkurrierende Akteure zusammenarbeiten. Wenn diese Kooperation durch objektive Einflüsse gebremst wird, besteht die Gefahr der Stagnation in bestimmten Bereichen der Regionalentwicklung, wie etwa im übergreifenden Handlungsfeld Landwirtschaft/Tourismus.

Urlaubsjournal 2009/2010


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