Regionales
Entwicklungskonzept für den Naturpark Wildeshauser Geest
1. Abgrenzung und Lage der Region
Die Wildeshauser Geest ist ein zentraler Teil des großen norddeutschen Geestrückens, der sich von Meppen an der niederländischen Grenze bis zur Nordseeküste nach Bremerhaven hinzieht. Der Naturpark Wildeshauser Geest gehört mit einer Fläche von 1554 qkm zu den größten Naturparks in Deutschland. Er liegt südlich der Städte Oldenburg und Bremen und hat eine Ost-Westausdehnung von rund 50 km.
Diese Geestfläche mit Höhenunterschieden bis zu 40 m ist deutlich von tiefen Niederungen umgeben, die durch die eiszeitlichen Schmelzwässer entstanden sind. Der Naturpark wird von der Hunte und zahlreichen Geestbächen in Nord-Süd-Richtung durchzogen. Charakteristisch ist dabei der auffällige rechtwinklige Knick der Gewässer in West-Ost-Richtung. Deutlich ist an diesem Talrinnenmuster der Zerfall des Inlandeises am Ende der letzten Eiszeit in diesem Raum abzulesen.
Der Name „Geest“ kommt von dem niederdeutschen „güst“, was soviel heißt wie „trocken“, aber auch „unfruchtbar“ oder gleichbedeutend ist mit „wertlos“. Er stammt aus einer Zeit, als die großen Erträge der Landwirtschaft auf den Marsch- und Lößböden erzielt wurden. Nach der Rodung der ursprünglichen Stieleichen-Birkenwälder waren die Böden der Geest verarmt. Aus den Ackerböden der Jungsteinzeit waren weite Heideflächen geworden, auf denen nur noch die Heidschnucken ihr Auskommen hatten.
Diese Allmende – von der Gemeinschaft genutzte Weide – wurde im vorigen Jahrhundert durch den Einsatz von Mineraldünger in landwirtschaftliche Fläche umgewandelt, der herrschaftliche Anteil der Allmende wurde aufgeforstet. Der im ausgehenden Mittelalter noch kümmerlich vorhandene Wald macht heute immerhin noch gut 20% der Fläche aus. Durch die Verpflichtung im vorigen Jahrhundert, alle neuen Eigentumsflächen aus der Allmende mit Wallhecken einzufassen, entstand eine einzige Parklandschaft, die in weiten Teilen den Eindruck erweckt, immer vor einer Waldkulisse zu stehen.
Die Wildeshauser Geest ist somit eine historisch gewachsene Kulturlandschaft, der das menschliche Wirken von mehreren tausend Jahren noch unmittelbar anzusehen ist.
Während durchziehende Rentierjäger nach dem Ausgang der letzten Eiszeit noch keine Spuren in der Landschaft hinterlassen hatten, kam es bereits gegen 3000 vor Christus zu einer vollbäuerlichen Kultur. Die natürlichen Standortvorteile der Geest – trockenes Wohnen und Ackern auf den Hochflächen, Wasser und Fischfang in den Tälern - bescherten der Nachwelt die ältesten vorhandenen Monumente: die Großsteingräber. Dank vorbildlicher Denkmalschutzregelungen des Großherzogtums Oldenburg sind im Naturpark Wildeshauser Geest heute noch mindestens 40 dieser Grabanlagen erhalten. Zumindest für Norddeutschland ist diese Dichte an Fundstätten aus der Jungsteinzeit einmalig.
Aus der nachfolgenden Bronzezeit ist in Pestrup bei Wildeshausen das größte Hügelgräberfeld Nordeuropas erhalten. Auf einem Plateau über dem Huntetal befinden sich über 500 Grabhügel verschiedener Formen und Größen. Diese Bestattungen reichen zeitlich bis in die römische Eisenzeit hinein.
Während aus der Zeit bis hin zur Völkerwanderung vorwiegend Grabstätten und Kulturlandschaftsteile (Landschaftsdenkmäler) erhalten sind, verdichtet sich das historische Potential der Geest mit den Anfängen der Christianisierung: Siedlungen und bedeutende Bauwerke aus frühmittelalterlicher Zeit, wie etwas das Stift in Bassum oder das Kloster in Hude und viele andere Fundstätten belegen die Entwicklung christlicher Kultur von ihren Anfängen bis in die Neuzeit.
Angefangen mit den Großsteingräbern bis hin zu den Relikten des frühindustriellen Manufakturwesens bemühen sich Akteure und Bevölkerung über Jahrhunderte bis heute, das historische Erbe der Region zu pflegen und zu bewahren. Ein großer Teil des Naturparkes Wildeshauser Geest ist zudem durch Landschaftsschutz grundlegenden Änderungen entzogen.
Die Wildeshauser Geest wurde 1984 durch das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten als Naturpark ausgewiesen. Das Erholungsgebiet ist allerdings deutlich älter. Bereits 1970 hatte die Hauptkommission der Gemeinsamen Landesplanung Bremen/Niedersachsen Richtlinien zum Ausbau der Wildeshauser Geest erlassen. In diesem Gebiet sollten insbesondere die landschaftsbildenden Taleinheiten, die sogenannten Kerngebiete für Erholungsverkehr und die Grünverbindungen für eine Erholung in Natur und Landschaft gesichert und entwickelt werden (zu weiteren Planungen siehe 4.7).
Der Bezugsraum für das hier vorgelegte Regionale Entwicklungskonzept ist deckungsgleich mit dem Gebiet des Naturparkes Wildeshauser Geest. Daraus wird bereits deutlich, dass die regionale Abgrenzung nicht nach administrativen Kriterien vorgenommen wurde, sondern sich ausschließlich an naturräumlichen und soziokulturellen Merkmalen ausrichtet: Die LAG folgt dabei den Kriterien, die bei der Gründung des Naturparkes angelegt bzw. berücksichtigt worden sind:
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Die Wildeshauser Geest ist in erster Linie ein homogener Naturraum mit besonderer geschichtlicher Prägung und entsprechendem historischen Erbe.
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Sie ist trotz der fortschreitenden Suburbanisierung an den Rändern der Verdichtungsräume Bremen und Oldenburg eine durch ländliche Bevölkerung geprägte Region mit punktuell starken Entwicklungsansätzen.
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Sie grenzt landsmannschaftlich gesehen nach Westen und Süden an das Oldenburgisch-Münsterländische und nach Osten bzw. Südosten an das Hannoversche.
Der Naturpark grenzt zwar – richtet man sich nach den Gemeinden, die Mitglieder im Zweckverband sind – unmittelbar an die Städte Bremen und Oldenburg. Die räumliche Abgrenzung spart jedoch im Gegensatz zur administrativen diejenigen Siedlungsschwerpunkte der Stadtrandgemeinden aus, die von den Stadt/Umlandwanderungen am stärksten betroffen sind.
Letzteres, also die strikte Abgrenzung nach räumlichen Kriterien, führt dazu, dass die in der Region lebende Bevölkerung von ihrem Volumen und der Einwohnerdichte her nur geschätzt werden kann.
Bei der Ermittlung der Bevölkerungsdaten wurde folgendermaßen vorgegangen: Zunächst wurden die Bevölkerungsdaten von denjenigen Gemeinden übernommen, die mit ihrem vollständigen Gebiet in der Region liegen (Bassum, Syke, Twistringen, Dötlingen, Großenkneten, Wildeshausen, Harpstedt, Goldenstedt). Sodann wurden auf der Basis der Gesamtdaten bei den Gemeinden, die nur mit Teilen ihres Gebietes im Naturpark liegen, die Bevölkerungsanteile der Ortschaften bzw. Siedlungsbereiche geschätzt, die innerhalb des Naturparkes zu lokalisieren sind (Visbek, Stuhr, Ganderkesee, Hatten, Wardenburg, Hude).
Die Gemeinde Emstek wurde bei der Betrachtung der Bevölkerungszahlen und bei der Datenauswertung in Kap. 4 gänzlich außer Betracht gelassen, weil ihr Gebietsanteil im Naturpark nahezu unbesiedelt ist.
Insgesamt ergeben sich nach dieser Methode für das Jahr 1999 die in der Tabelle aufgeführten Bevölkerungszahlen für die Wildeshauser Geest.
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Bassum |
15.913 |
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Syke |
23.555 |
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Twistringen |
12.271 |
|
Dötlingen |
5.830 |
| Großenkneten |
12.953 |
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Wildeshausen |
16.763 |
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Harpstedt |
11.097 |
|
Goldenstedt |
8.730 |
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Visbek |
2.800 |
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Stuhr |
3.000 |
|
Ganderkesee |
3.200 |
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Hatten |
2.300 |
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Hude |
2.000 |
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Wardenburg |
3.000 |
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Gesamt |
123.412 |
Die Gesamtzahl der Bevölkerung überschreitet die für das Leader+-Programm vorgesehene Richtgröße. Angesichts der dargelegten Homogenität und Integrität der Wildeshauser Geest sollte hier aber der Gesamtraum in die Entwicklungsplanung eingehen. Eine auf einen reduzierten und damit künstlichen Entwicklungsraum fokussierte regionale Entwicklungsstrategie wäre nach außen wie nach innen nicht zu vermitteln und auch nach rein sachlichen Kriterien nicht sinnvoll.
Bei 1554 qkm Fläche ergibt sich somit eine durchschnittliche Einwohnerdichte von 79 Einwohnern je qkm.
Neben der naturräumlichen und sozialen Homogenität der Region lassen sich auch in wirtschaftlicher Hinsicht Gemeinsamkeiten in der Wildeshauser Geest ausmachen. So ist die Landwirtschaft seit alters her ein die Geest prägender Wirtschaftszweig mit auch heute noch überdurchschnittlicher Beschäftigung. Ansonsten ist die Wirtschaft der Geest durch vor Ort gewachsene Klein- und Mittelbetriebe des gewerblichen- bzw. handwerklichen Bereiches geprägt. Lediglich die Gewerbestandorte direkt an der A1 und in unmittelbarer Randlage zu den Städten Bremen und Oldenburg sind stark durch Stadtrandwanderungen und Fernwanderungen von Betrieben geprägt (siehe hierzu auch Kap. 4).

Übersichtskarte Wildeshauser Geest
Unter www.hunte-natur.de finden Sie Informationen zum Wasserwandern entlang der Hunte. Die kostenlose "Wasserwanderkarte Hunte" kann auf der Broschüren-Seite bestellt werden.
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